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Negative Glaubenssätze – Schicksal der Kriegsenkel? Andreas Beutel

21. Mai 2016
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Götz Wittneben im Gespräch mit Andreas Beutel über die Herkunft von kleinmachenden Glaubenssätzen

Die Überzeugungen in der Art von „Das Leben ist hart und schenkt mir nichts!“, „Ich muss kämpfen!“ oder „Ich bin anders, ich gehöre nicht dazu!“ sind weit verbreitet, stellen aber nur die Spitze des Eisberges von negativen Glaubenssätzen dar, nach denen viele Menschen ihr Leben unbewusst selber gestalten. Im Spanischen heißt „glauben“ ‚creer‘ und „erschaffen“ ‚crear‘ – wir erschaffen also das, woran wir glauben. Aber woher stammen all diese klein machenden Glaubenssätze? Andreas Beutel und Götz Wittneben sind sich einig: aus unserer Kindheit. Sind sie uns eingeredet worden? Haben wir sie von unseren Eltern und Vorfahren einfach übernommen? Ja, zum Teil sicher schon. Aber häufig ist der Grund in traumatischen Erlebnissen der Kindheit zu finden, sei es durch zeitweilige Trennung von der Mutter/den Eltern (zum Beispiel im Krankenhaus, in der Krippe oder einen Kuraufenthalt) oder durch schmerzhafte Erfahrung des ohnmächtigen Ausgeliefertseins elterlicher Gewalt.

Die Kinder und Enkel derer, die in Deutschland den Krieg beispielsweise aktiv als Soldat miterlebt haben, bekamen die geballte Ladung von Wut auf all die erlebten oder begangenen Grausamkeiten der Väter zu spüren, wenn sie – im Namen der „Erziehung“ – geschlagen wurden. Und wir Kinder dachten, WIR wären verkehrt, nichtsnutzig, minderwertig, denn jedes Kind liebt seine Eltern und schaut zu ihnen auf. Die Glaubenssätze der Wertlosigkeit halfen uns, uns vom tiefen Schmerz abzuspalten und weitere schmerzhafte Erfahrungen emotional zu überleben. Insofern können wir die Glaubenssätze auch kindliche „Schutzprogramme“ nennen. Als Erwachsene ist es nun an der Zeit, im Gewahrsein, dass wir nun selber groß sind, diese kindlichen Schutzprogramme zu deaktivieren, um ein selbstbestimmtes, auf Selbstwertgefühl gebautes Leben führen zu können. Andreas Beutel eröffnet darüber hinaus eine spirituelle Sichtweise auf den möglichen Sinn von Traumata: Durch den durch ein Trauma entstandenen „Riss“ kann sich ein Mensch zu einem „offenen Gefäß“ auch für tiefe spirituelle Fragen entwickeln, vielleicht tiefer als eine Mensch ohne leidvolle Erfahrung, bei dem alles „glatt“ gegangen ist.

Andreas Beutel: www.pythagoras-institut.de Götz Wittneben: www.wenn-wir-wuessten.de